Gedanken zum 2. Ökumenischen Kirchentag
Alfred Ullmann, Niederlausitzer Albert-Schweitzer-Freundeskreis
Vom 12. bis 16. Mai 2010 in München.
Was Albert Schweitzer bereits vor etwa 100 Jahren zu diesen Glaubensfragen empfunden hat, schreibt er 1924 in seinem Buch „Aus
meiner Kindheit und Jugendzeit“. Es sollte Beispiel sein für Versöhnlichkeit beider Religionen. Das, was er damals mit in sein Leben
genommen hat, sollte als eine Mahnung für diesen Kirchentag in den Mittelpunkt der vorgesehen Programme rücken.
Zumindest darf nicht nur darüber geredet werden – die Zeit ist reif, das Taten
die Zukunft der religiösen Eintracht bestimmen.
300 Jahre Ökumene im Elsass?
Auszug aus dem genannten Buch:
„Als der Elsass durch Ludwig XIV. französisch wurde, bestimmte dieser, um die Protestanten zu demütigen, dass in den protestantischen
Dörfern, in denen zum mindesten sieben katholische Familien wohnten, den Katholiken der Chor eingeräumt werden müsste.
Allsonntäglich sollte ihnen die Kirche zu bestimmten Stunden für ihren Gottesdienst zur Verfügung stehen. So kommt es, dass eine Reihe
von elsässischen Kirchen protestantisch und katholisch zugleich sind. In der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts ist ihre Zahl dadurch etwas zurückgegangen, dass manche Gemeinden sich
entschlossen, den Katholiken eine besondere Kirche zu erbauen. Zu Günsbach aber und
anderswo ist die protestantisch-katholische Kirche bis auf den heutigen Tag bestehen geblieben.
Der katholische Chor, in den ich hineinschaue, war für meine kindliche Phantasie der Inbegriff der
Herrlichkeit. Ein goldfarben angestrichener Altar mit mächtigen Blumensträußen darauf; große
metallene Leuchter mit majestätischen Kerzen; an der Wand, über dem Altar, zwischen den
beiden Fenstern, zwei große goldfarbene Statuen, die für mich Joseph und die Jungfrau Maria
bedeuteten; dies alles umflutet von dem Lichte, das durch die Chorfenster kam; und durch die
Chorfenster hindurch schaute man auf Bäume, Dächer, Wolken und Himmel hinaus, auf Welt, die
den Chor der Kirche in die unendliche Ferne fortsetzte und mit dem Scheine der Verklärung
umflossen war. So wanderte mein Blick aus der Endlichkeit in die Unendlichkeit, Stille und
Frieden überkamen meine Seele.
Noch eins habe ich aus der zugleich protestantischen und katholischen Kirche mit ins Leben
hinausgenommen: religiöse Versöhnlichkeit. Die aus einer Herrscherlaune Ludwigs XIV.
entstandene protestantisch-katholische Kirche ist mir mehr als eine merkwürdige geschichtliche
Erscheinung. Sie gilt mir als Symbol dafür, dass die konfessionellen Unterschiede etwas sind, das
bestimmt ist, einmal zu verschwinden. Als Kind schon empfand ich es als etwas Schönes, dass in
unserem Dorfe Katholiken und Protestanten in derselben Kirche Gottesdienst feierten. Noch
heute erfüllt es mich mit Freude, jedes Mal, wenn ich den Fuß in sie hineinsetze. Ich möchte
wünschen, dass alle noch beiden Konfessionen gemeinschaftlichen Kirchen den Elsässern als
solche erhalten bleiben, als eine Prophezeiung und eine Mahnung auf eine Zukunft der religiösen
Eintracht, auf die wir den Sinn gerichtet halten müssen, wenn wir wahrhaft Christen sind.“
In der Chronik der Simultankirche von Günsbach las ich:
„...In der Günsbacher Kirche trennte ein nicht gerade schönes Holzgitter Chor und Kirchenschiff,
welches während der katholischen Gottesdienst offen stand. 1973 wurde es anlässlich von Renovationsarbeiten, entfernt. Im Chor stand
der katholische Altar unter dem Patronat von Sankt-Imier. Er wurde durch den protestantischen Altar ersetzt, der fortan beiden
Konfessionen dient, Symbol der guten Eintracht zwischen beiden Kirchgemeinden. Rechts vom Altar steht die Muttergottes-Statue. Ein
Chtistuskreuz, von Bildhauer Saur aus Oberhergheim, ziert die hintere Wand des Chors.
Johann Karl August Musäus
Johann Karl August Musäus wurde am 29. März 1735 als einziger Sohn des Amtskommisarius und Landrichters
Johann Christoph Musäus in Jena geboren. Als Neunjähriger kam er zu seinem Onkel in Allstedt, der ihn streng
nach christlichen Werten erzog. Beide zogen nach einigen Jahren nach Eisenach, weil Musäus Vater dort eine
Stelle als Justiz- und Oberamtmann bekam. An der Universität von Jena studierte er zunächst von 1754 bis 1758
Theologie, wendete sich jedoch danach der klassischen zu, da er aufgrund gewisser unkirchlicher Philologie
Verfehlungen die ihm angebotene Pfarrstelle in Eisenach nicht annehmen durfte.
1763 erhielt Musäus eine Stelle als Pagenhofmeister in Weimar und nahm drei Jahre später eine
literaturkritische Tätigkeit als Mitarbeiter der von Friedrich Nicolai herausgegebenen "Allgemeinen deutschen
Bibliothek" auf. Dort rezensierte er etwa 350 zeitgenössische Romane nach den Maßstäben einer
aufklärerischen, an der antiken Redekunst orientierten Kunsttheorie. 1769 wurde er von Anna der Amalie,
Herzogin Sachsen-Weimar-Eisenachs, zum Professor der klassischen Sprache und dortigen Geschichte des
Gymnasiums ernannt. An dieser Schule unterrichtete er auch seinen Neffen der später August von Kotzebue,
ebenfalls als Schriftsteller Berühmtheit erlangte.
Im darauffolgenden Jahr heiratete er Juliane Krüger, die ihm später zwei Söhne, Karl und August, schenkte.
Seinen Lebensunterhalt hatte er durch die Professorenstelle
Autorentätigkeit gesichert. Fortan führte und Musäus ein behagliches
abseits des Hofes und des Zentrums der Weimarer Klassik mit ihren
Leben Hauptdarstellern. Er war ein Kritiker des Geniekults und der
Empfindsamkeit. Seit 1776 war er Freimaurer als Mitglied der Loge 'Amalia' in Weimar. Viel Zeit
verbrachte er in seinem Sommerhäuschen mit Garten, über seine dortigen Aufenthalte führte er in den
letzten Lebensjahren Buch. Dort empfing und pflegte er freundschaftliche Beziehungen mit den
Geistesgrößen seiner Zeit, darunter Herzog Karl August, Bertuch, Bürger, Herder, Lavater, Nicolai,
Schröter und nicht zuletzt Wieland, auf dessen Anregung seine berühmte Volksmärchensammlung
entstand, die ein großer Erfolg wurde und viele Auflagen sowie Übersetzungen erlebte. 1783 wurde er
in den Illuminatenorden als sogenannter 'Presbyter' unter dem Namen 'Dante Alighieri/Priscillan'
aufgenommen.
Er starb am 28. Oktober 1787 in Weimar an einem Polypen am Herzen. Johann Gottfried Herder hielt
eine Gedenkrede am 30. Oktober 1787. Seine letzte Ruhestätte fand Musäus auf dem Jacobsfriedhof in Weimar. Musäus Nachlass wurde 1791
von Kotzebue unter dem Titel „Nachgelassene Schriften“ herausgegeben.
Das Wohnhaus von Musäus am Kegelplatz in Weimar wird von der Albert Schweitzer-Stiftung genutzt, die dort ein Museum unterhält.
Albert- Schweitzer- Schüler im Sinne ihres Namenspatrons
Im Mai fand in Hoyerswerda wieder ein Nachtshopping statt , bei dem die Geschäfte der Altstadt mit
vielen Ideen und zusätzlichen Angeboten zahlreiche Besucher anlockten. Mit dabei war wie immer
auch das Buch- und Musikhaus von Frau Elisabeth Sygusch.
Mit Frau Sygusch verbindet uns eine enge Zusammenarbeit, die vor allem auf Verständnis und
langjähriger Zusammenarbeit beruht. Sie vertraute uns zum Nachtshopping die Ausgestaltung von zwei
großen Schaufenstern an. Das Motto „Jeder ist ein Künstler“ konnte von unseren Schülern auf
vielfältige Weise bestätigt werden. Von unserem Projekt zur Namensgebung unserer Schule zeigten wir
ein im Kunstunterricht nachgebautes Urwaldlazarett in Lambarene und eine große Landkarte von
Afrika. Im Werken entstanden afrikanische Instrumente und Spielzeuge. Auch das weiterführende
Projekt „Eine Reise um die Welt“ zeigte die vielfältigen Fähigkeiten und Fertigkeiten unserer Schüler in
den verschiedenen Fächern und bei Projektarbeiten.
An diesem Abend blieben viele Menschen an den Schaufenstern stehen, vor allem um die afrikanischen „Kunstwerke“ zu bewundern
und sich an Albert- Schweitzer und sein Lebenswerk zu erinnern: „Über Alles erhaben ist die Hilfsbereitschaft von Mensch zu
Mensch“
U. Trapp, Schulleiterin der
Albert- Schweitzer- Schule Hoyerswerda,
Förderschule für geistig Behinderte
Albert-Schweitzer-Komitee e. V. Weimar
Bericht über die Aktivitäten des Vereins im Jahr 2008 an die AISL
Unsere Gedenkstätte am Weimarer
Kegelplatz war natürlich auch 2008
die „Schaltstelle“ unserer Arbeit, in
der alle Fäden zusammenlaufen.
Hier läuft die tägliche Arbeit in
Verwaltung, Abrechnung und
Museumsbetrieb, d. h. die Betreuung von Einzelbesuchern und Gruppen. Daneben können wir auch für das letzte Jahr
wieder von mehreren Höhepunkten im Haus berichten, so von der Ausstellung „Schweitzer und Bach“, die anlässlich des
Weimarer
Bachjahres stattfand oder von der Museumsnacht im Mai, die mit einem Afrikavortrag der UNICEF-Arbeitsgruppe Weimar, einem Konzert auf
unserer kleinen Hausorgel und anschließender Livemusik vor dem Haus ein weiteres Mal für eine große Gästeschar sorgte.
Das zweite Standbein unserer Arbeit sind die Freundeskreise, die die Arbeit an der Basis, d. h. mit den Mitgliedern unseres Vereins leisten. Dort
werden Vorträge gehalten, Ausstellungen und Konzerte organisiert. Das mittlerweile 17. Benefizkonzert des Cottbusser Freundeskreises
erbrachte 2008 die Rekordsumme von über 1.800 €.
Die Freundeskreise pflegen daneben regelmäßige Kontakte zu unseren Namensträgern, wobei der Betreuung der Namensträgerschulen eine
ganz besondere Bedeutung zukommt. Die gute Zusammenarbeit mit den Schulen spiegelt sich nicht zuletzt in den Schulspenden wider. Im
vergangenen Jahr gingen zwei besonders große Spenden ein:
aus dem Schweitzer-Gymnasium Erfurt (3.000 €) und aus der Schweitzer-Oberschule Hennigsdorf (2.570 €).
Die Freundeskreise führen nicht zuletzt große Fortbildungsveranstaltungen durch (im Mai 2008 in Cottbus, im November 2008 in Dresden):
Ausgehend von der Erfahrung, dass junge Leute freiwillig weder gerne in Museen noch zu Vorträgen gehen, wollen wir verstärkt ihre Lehrer mit
ins Boot holen, sie in Fortbildungsveranstaltungen schulen und mit einem neuen Funken Begeisterung an ihre Schulen und zu ihren Schülern
zurückschicken, um auf diese
Weise die junge Generation – also unsere Nachfolger bei der Arbeit im Verein und, noch wichtiger, bei der Fortführung von Schweitzers
Lebenswerk – besser zu erreichen.
Solche Veranstaltungen setzen eine der wichtigsten Aufgaben unseres Vereins um: die Verbreitung des geistigen Werkes von Albert
Schweitzer. Dazu dienen jedes Jahr auch zahlreiche Vorträge unserer Mitglieder und Gäste.
Die Themen waren auch 2008 sehr vielfältig und berührten sowohl Leben und Werk Albert Schweitzers, seiner Frau Helene und seiner Tochter
Rhena als auch Hilfsprojekte im Kampf gegen Aids in Afrika, Persönlichkeiten wie Martin Luther King, die Erziehung der Jugend zur
Gewaltlosigkeit im Sinne der Ehrfurcht vor dem Leben und die Afrikaromane von Henning Mankell.
Jedes Jahr entstehen neue Broschüren über Albert Schweitzer und verwandte Themen, die im Museumsshop verkauft werden. Und nicht
zuletzt sind hier unser jährlich erscheinender Rundbrief (November 2008: Nr. 75) und unsere Homepage (www.albert-schweitzer-weimar.de) zu
nennen. Beide informieren über zahlreiche weitere, hier nicht genannte Aktivitäten unseres Vereins.
Die neue Glocke in Lambarene aus der Glockengießerei Lauchhammer war der Anlaß für Herrn Johannes Remenz, diesen Beitrag zu verfassen.
Meine Begegnungen mit Albert Schweitzer
Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer
Während eines Besuches bei unseren Verwandten in Rudolstadt/Th. im Jahre 1960 schenkte mir mein Vater
das erste Buch über Glocken „Friede sei ihr erst Geläute“ zusammengestellt vom damaligen
Superintendenten Fritz Schilling in Sonneberg. In diesem Buch aus dem Jahre 1957 ist auch ein Beitrag von
Albert Schweitzer enthalten: „Du sollst nicht töten“. Schon als Kind hatte er für sich selbst ein Gebet verfasst
„Lieber Gott. Schütze und segne alles, was Odem hat, bewahre es vor allem Übel und laß es ruhig
schlafen!“
Aber vielleicht muß ich hier etwas weiter ausholen. Mein Vater hat mir eine Familienchronik hinterlassen, in
der unsere Vorfahren bis in das Jahr 1788 zurück nachweisbar sind, und zwar in Pudewitz zwischen Posen
und Gnesen. Mein Vater schrieb: „Unsere Vorfahren waren immer Deutsche, aber sie lebten in Polen. Und
sie kamen gut miteinander aus. Was mag wohl innerlich in den Polen vorgegangen sein, als sie 1795 ihre
Nationalität verloren und unter Preußen, Osterreich und Russland aufgeteilt wurden.“
Nach dem 1. Weltkrieg war es den Deutschen in Großpolen freigestellt, die Heimat zu verlassen oder zu
bleiben. Ein Teil meiner Vorfahren entschied sich für die Heimat. Sie wurden nun Polen und damit katholisch. Der andere Teil, so auch meine
Großeltern, siedelte nach Schlesien um. Mein Vater wurde später Pfarrer im Kreis Trebnitz und war durch die Ereignisse im Frühjahr 1945 nach
Liegnitz gekommen. Seite letzten Gottesdienste hielt er in der Liebfrauenkirche in Liegnitz im Herbst 1947. Die nach der Glockenabnahme 1941
als einzige verbliebene Glocke aus dem Jahre 1626 läutet heute noch. Ich hörte sie am 2. Juli 2006, als ich den Gottesdienst an der Orgel
begleitete, an der meine Mutter von 1945 bis 1947 Dienst tat. - Mein Vater war einer der letzten deutschen evangelischen Pfarrer in Schlesien. In
seinen Aufzeichnungen finde ich keine Verbitterung über diese Zeit. Ganz im Gegenteil: Er schrieb, dass die Jahre 1945 bis 1947 zu den
schönsten seines Lebens zählten, sich immer in Gottes Hand wissend und auf Ihn vertrauend, auch wenn es manchmal nach menschlichem
Ermessen nicht mehr weiterging.
Nach meiner Geburt im Jahre 1948 in Görlitz zogen meine Eltern bald nach Mitteldeutschland. Der frühere Superintendent meines Vaters aus
Trebnitz war bereits 1945 nach Sangerhausen umgesiedelt und holte meinen Vater 1949 nach Riestedt, einem Nachbarort, nach. Bedingt durch
seinen Beruf war es für meinen Vater selbstverständlich, neben dem Pfarramt auf dem Gebiet der inneren und äußeren Mission weiterzuarbeiten.
In Riestedt läutete ich als 6jähriger bereits die „Abendglocke“. Das Eisenhartgussgeläut aus dem Jahre 1926 wurde 2002 durch ein Bronzegeläut
aus der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer ersetzt.
1959 zogen wir nach Aschersleben und hier wurden entscheidende Weichen für mein weiteres Leben gestellt.
Ein großes Erlebnis war die Aufführung des „Albert-Schweitzer-Filmes“ in unserer St.-Johannis-Kirche. Dafür war natürlich auch eine Werbung mit
entsprechenden Plakaten erforderlich. Nun war dieses zu DDR-Zeiten gar nicht so einfach. Fast schüchtern ging ich zum Direktor unserer
Thomas-Müntzer-Oberschule (Thomas Müntzer war Lateinlehrer in Aschersleben), Herrn Dr. Fritz Blume und fragte ihn, ob er ein Plakat in der
„Penne“ aushängen lassen würde. Er antwortete mir, dass das für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, da er das humanistische Anliegen Albert
Schweitzers kannte. Wie Dr. Blume hatte auch mein damaliger Klassenlehrer Günter Schmidt Anteil an meiner Entwicklung und Einstellung zum
Humanismus. Es war eine Zeit in den 60ern, in der vieles möglich war, was schon einige Jahre später undenkbar war.. Ich hatte keinerlei
Probleme wegen des Berufes meines Vaters.
Wenige Jahre später war vieles anders. So wurde auch das Lehrpersonal der „Penne“ durch andere „linientreuere“ Genossen ersetzt. Es gibt
auch Stimmen, die sagen, dass in Aschersleben aufgrund des humanistischen Erbes andere Verhältnisse herrschten als anderswo in der DDR.
Für meine persönliche Entwicklung war besonders meine musikalische Ausbildung wichtig.
Den Klavierunterricht bei einem Kantor, der versuchte, mir das Abspielen von aller möglicher oder unmöglicher Literatur beizubringen, verließ ich,
da ich schon als 14jähriger erkannte, dass dieses nicht meiner Entwicklung diente.
Mein Vater ermöglichte es mir daraufhin, Klavier- und Orgelunterricht bei Herrn Kirchenmusikdirektor Erich Schroeter, der an unserer St.-
Stephani-Kirche tätig war, zu erhalten. Herr KMD Schroeter war Dozent an der Kirchenmusikschule Aschersleben/Halle und erkannte schnell,
dass ich lieber meinen eigenen Stil spielte, als vergangene Kunst zu kopieren. So legte er nach einigen Klavierstunden den Schwerpunkt auf
meine Ausbildung an der Orgel. Ausbildungsschwerpunkte waren Harmonielehre und Gehörbildung. Er brachte mir bei, auch bei „stummer Orgel“
zu „hören“, was ich spiele. – Ich habe schon damals gemerkt, dass jede Begabung ein Geschenk Gottes ist.
Herr KMD Schroeter wurde am 23.9.1900 in Strasbourg/Elsaß geboren. Er war zeitweise Schüler von Albert Schweitzer. Er erzählte mir oft davon.
Nach dem 1. Weltkrieg kam Erich Schroeter im Zuge der Ausweisung der Deutschen aus dem Elsaß nach Halle. Er war Organist an St. Ulrich und
der Synagoge in Halle. 1926 – 70 war er Dozent an der Kirchenmusikschule Aschersleben/Halle, seit 1939 als Kirchenmusikdirektor..
Erich Schroeter hat mir vieles auf meinen Lebensweg mitgegeben, was er bei Albert Schweitzer gelernt hat. Albert Schweitzer hat auf diese
Weise viele „musikalische Enkel“. Ich bin dankbar, dass ich mich zu ihnen zählen darf.
Ich weiß, dass ich dem Schüler Albert Schweitzers alles auf musikalischem Gebiet verdanke.
Seit 1994 bin ich in Lauchhammer in der Kunst- und Glockengießerei tätig. Lauchhammer liegt in der Kirchenprovinz Sachsen und im Bistum
Magdeburg, also im Gebiet meiner beiden „Heimatkirchen“. Politisch gehört Lauchhammer seit 1990 zum Land Brandenburg.
Ein seit meiner Kindheit gehegter Berufswunsch ging so in Erfüllung. Anfang der 70er Jahre hatte ich bei der Glockengießerei Schilling in Apolda
angefragt, ob ich dort eine Tätigkeit aufnehmen könnte. Aber damals war diese Firma bereits enteignet und in „Staatseigentum“ überführt. Welch
Skrupellosigkeit eines totalitären Systems, gerade eine Firma, die ein christliches Handwerk betrieb, in Staatseigentum zu überführen.
Die Verbindung zu Albert Schweitzer wurde wieder hergestellt, als sich Herr Alfred Ullmann, Mitglied des Albert-Schweitzer-Freundeskreises, an
die Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer wandte, ob denn nicht eine Glocke preisgünstig für das „Dorf des Lichtes“ erworben werden
könnte. Die Eisenhartgussglocke von 1959 aus Morgenröthe-Rautenkranz war gesprungen und sollte ersetzt werden.
Wir hatten eine Glocke, die in einem unserer Versuchsprogramme entstanden war, in einwandfreier Innenharmonie zur Verfügung. – Es ist ein
großes Geschenk und eine Anerkennung für unsere Lauchhammeraner Glockengießer Jürgen Gensel und Andreas Noack, dass die Glocke nun
im „Dorf des Lichtes“ läuten darf.
Einweihung der neuen Glocke im
Lepradorfam 28. März 2008
Dr. Roland Wolf, Präsident der Internationalen
Spitalstiftung FISL
Der Transport der neuen Glocke fÜr das Dorf
des Lichtes erforderte doch viel MÜhe und
viele organisatorische Aktivitäten.
Nachfolgend einige Daten, die die Dauer des
Transportes belegen:
17. April 2007: Transport von der Kunst- und
Glockengießerei Lauchhammer (bei Cottbus in
Brandenburg) nach Straßburg
22. April 2007: Abtransport im Container zum
Rheinhafen in Straßburg
03. Mai 2007: Abfahrt des Schiffes nach Holland
27. Juni 2007: Ankunft der Glocke in Libreville
22. Juli 2007: Ankunft der Glocke in Lambarene
28. März 2008: Feierliche Einweihung der Glocke im
Dorf des Lichtes
Auf dem Weg, der vom alten Spital Albert Schweitzers zum
aktuellen Krankenhaus fÜhrt, liegt am Rande eines kleinen Platzes
die Tischlerwerkstatt. Am Morgen nach meiner Ankunft werfe ich einen Blick hinein, und da steht sie,
die Glocke, nicht zu Übersehen in ihrem massigen Tragegestell. Man hat Eisenholz dafür genommen, wie
es auch fÜr Bahnschwellen verwendet wird, etwas grö¿er als das vorgesehene Ma¿, damit aber auch
solider. Nach Aussage des technischen Direktors, Peter Teh, wiegt das Gestell mehr als die Glocke
selbst, die Über 200 Kilogramm auf die Waage bringt.
Die offizielle Einweihung ist für den Freitag vorgesehen. So können die Stiftungsratsmitglieder, die
bereits zur jährlichen Sitzung eingetroffen sind, an der Feier teilnehmen. Das ist wichtig fÜr die
Bewohner des Lepradorfes, die sich oft ein wenig vernachlässigt fühlen gegenÜber den Einwohnern des
Spitaldorfes, obwohl beide nur etwa 500 Meter trennen.
Bereits am Mittwoch wird die alte Glocke abgenommen, die schon seit geraumer Zeit keinen Ton mehr
von sich gab. Sie nimmt nun als Zeitzeugin ihren Weg ins Museum im alten Spital. Am Tag darauf wird
die neue Glocke aus ihrem Gestell genommen und dieses demontiert. Zusammen sind Glocke und
Gestell zu schwer, um transportiert zu werden. Im Lepradorf wird dann alles erneut zusammengesetzt
und auf dem erneuerten Betonsockel mit dem frisch gestrichenen Wellblechdach aufgestellt. Nun ist
alles bereit fÜr die Einweihung am nächsten Tag.
Als ich kurz vor elf Uhr im Lepradorf ankomme, sitzen die Dorfältesten,
darunter einige der letzten der noch rund 30 ehemaligen Leprakranken, auf Bänken vor der
Behandlungshütte, die den Namen von Schweitzers schwedischer Gönnerin, der Baronin Greta Lagerfelt,
trägt. Vor ihnen das Gestell mit der neuen Glocke auf dem Betonsockel, dahinter geht der Blick Über die „Hauptstra¿e“, die zwischen
den beiden Reihen langgestreckter HÜtten nach oben ansteigt, wo unter Schatten spendenden Bäumen die asphaltierte Stra¿e zum
Neuen Spital fÜhrt.
Plötzlich ertönt heller Gesang aus Kinderkehlen, und zwischen zwei Häuserzeilen kommt mit rhythmischen Bewegungen der
Mädchenchor hervor und stellt sich, unterstützt von zwei Trommlern, unweit der Glocke auf. Zwischen ihnen und den Bänken fÜr das
Publikum befindet sich ein Tisch, an dem ich mich mit dem protestantischen Hilfsgeistlichen niederlasse, der den verhinderten Pastor
vertritt.
In einer kurzen Ansprache zeichne ich die Geschichte des Lepradorfes und seine Bedeutung fÜr Albert Schweitzer und sein Krankenhaus
nach und gehe dann auf die neue Glocke und deren Spender ein. Und erinnere die Dorfbewohner daran, dass es nun ihre Aufgabe sein
wird zu bestimmen, wann und durch wen die neue Glocke geläutet wird.
Den weiteren Verlauf bestimmt der Geistliche, dessen Gebete und Bibelverse immer wieder vom Gesang des Mädchenchors
unterbrochen werden. Den Abschluss bildet die Weihe der Glocke, die nun zum ersten Mal geläutet wird. Wie man mir später
berichtet, ist ihr Klang bis ins Spital gedrungen. Und ich bin ziemlich sicher, dass er auch Über den nördlichen Flussarm des Ogowe
hinweg am Ufer der Insel zu hören ist, auf der sich das Zentrum von Lambarene befindet.
Das Albert-Schweitzer-Komitee e.V. Weimar sagt Danke
Auf Initiative von Alfred Ullmann aus Cottbus(Land Brandenburg), ist diese Aktion zustande gekommen. Die Stiftung „Albert-Schweitzer-
Gedenk-und Begegnungsstätte Weimar“ und das „Albert-Schweitzer-Komitee e. V. Weimar“,unterstÜtzen ideell und finanziell dieses
gro¿artige Projekt. Wir danken Herrn Alfred Ullmann, allen Sponsoren und Spendern und Herrn Dr. Wolf fÜr seine BemÜhungen um den
Transport und den Bau des Glockenstuhls in Lambarene. Besonderer Dank gebührt der Kunst- und Glockengie¿erei Lauchhammer(Land
Brandenburg) und der „Karin und Uwe Hollweg-Stiftung“Bremen .
Die Ethik der Ehrfurcht vor den Tieren
Die kleine Grasmücke - eine Sommergeschichte
Es war in der ersten Juniwoche, als meine Frau auf dem Balkon eine seltsame Beobachtung machte. Wir
haben an der Seitenwand einen schönen Naturkranz aus Stroh mit Verzierungen und kleinen Extras, wie ein
Zäunchen, zwei kleine Vögel, ein Vogelhäuschen und eine Gießkanne.
Plötzlich hatte sie das Gefühl, der Vogel vom Kranz fliegt davon. Sollte das eine Täuschung sein? Am
nächsten Tag flatterte es wieder und beim genauen Beobachten war es ein wirklicher kleiner Vogel. Nun
wurde der Kranz beobachtet. Richtig, ein Grasmückenpaar hatte im Kranzinneren ein Nest gebaut. Drei Eier,
weiß mit braunen Tupfen.
Zwei Tage später waren es vier Eier.
Der Balkon wurde sehr vorsichtig genutzt, denn wir wollten die kleinen tüchtigen Vögel nicht vertreiben. Sie
brüteten abwechselnd mit sehr großer Ausdauer.
Nach 14 Tagen sahen wir plötzlich Schnäbelchen aus dem Nest ragen. Vier junge Vögel waren
ausgeschlüpft.
Die Eltern wechselten sich beim Füttern ab und glücklicher Weise hatte es geregnet und kleine Insekten
schwirrten wieder durch die Luft. Ein gutes Futterangebot. Zehn Tage nach dem Schlüpfen war vor unserem
Fenster ein riesiger Lärm, der Gartenpflegedienst war dabei, unsere Hecke zu schneiden. Meine Frau ging
auf den Balkon, um nach den Jungen zu sehen. Die waren plötzlich so aufgeregt, flatterten und verließen ihr
Nest. Ein Vöglein flog über den Balkon in den Strauch, die anderen landeten auf dem Tisch und dem Boden
des Balkons. Mit einem Tuch konnte meine Frau die Tierchen wieder einfangen und zurück ins Nest setzen.
Sie beruhigten sich langsam und am Abend waren wieder beide Eltern beim Füttern.
Nur ein Jungvogel war nicht mehr im Nest. Hoffentlich hat er die Aufregung überstanden und die Eltern
konnten ihn füttern.
Eines Tages war nur noch ein Vögelchen im Nest. Wir gingen nicht mehr auf den Balkon und beobachten nur
durch die Tür. Nur einmal mussten wir die Tür öffnen, die Balkonblumen brauchten dringend Wasser.
Vor Aufregung flatterte das Tierchen und blieb am Zäunchen hängen. Wieder befreiten wir es und legten es
mit einem Tuch zurück ins Nest. Die Eltern kümmerten sich sofort um ihren letzten Nestbewohner.
Täglich putzte der Kleine sein Gefieder, flog auf der Stelle und saß manchmal schon auf dem kleinen Zaun.
Genau nach einem Monat saß der Kleine wieder auf dem Zäunchen. Ich unterhielt mich vor dem Balkon mit
einem Nachbarn und beobachtete genau das Nest. Plötzlich begann der junge Vogel zu flattern, nein zu fliegen - in
unsere Richtung - 10 cm – wieder zurück - 10 cm vor. Das erschien uns merkwürdig.
Ich nahm ein Tuch und die Schere- meine Vermutung- das Vögelein hing irgendwo fest.
Als ich auf die kleine Leiter stieg, blieb der Vogel ganz ruhig, nur die Eltern waren aufgeregt und wollten mich zurückdrängen. Als ich
näher an das Vöglein kam, sah ich, dass ein dünner Faden am rechten Bein des Vogels verschlungen war. Es war ein künstlicher Faden
aus dem Nestbau. Mit einer Schere schnitt ich dicht am kleinen Füßchen den Faden durch. Sofort begann das Tierchen zu flattern und
flog davon- steil aufsteigend- 20 m weit auf den höchsten Baum in unserer Umgebung. Die beiden Elternteile folgten sofort aufgeregt.
Wie glücklich war ich und nun war uns klar, warum der letzte Vogel nicht davon geflogen war, seine Geschwister schon lange fort und er
gefesselt an einem Faden, den er selbst nicht lösen konnte. Rettung in letzter Sekunde - das Leben hing sprichwörtlich am seidenen
Faden.