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Freundeskreis Cottbus

Gedicht von Rudolf Lasch
Nachdenken über die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben

Veranstaltungskalender



Alfred Ullman hat folgende Inhalte für uns aufgespürt.

Rudolf Lasch, der in Gersdorf bei Hohenstein-Ernstthal lebte, hat sich ein Leben lang bemüht, das Werk Albert Schweitzers zu bewahren und vor allem in die Herzen der jungen Menschen zu legen, auch wenn oft Steine aus dem Weg geräumt werden mussten. Er schrieb anlässlich des Todes Albert Schweitzers das folgende Gedicht:



Durch Dich ist alles Kleine wieder groß geworden,

auch den Geringsten gibst Du seinen Wert,

durch Dich wird Leben sinnvoll allerorten,

weil Du uns rechtes Denken hast gelehrt.



Und bei dem Denken hat die Tat zu stehen:

Die Tat ist Ehrfurcht, Opfer und Verzicht.

Es kann das Leben ferner nur bestehen,

wenn jeder tut, was er in guten Worten spricht.

Der schönen Worte sind schon viel zu viel gesprochen,

die Theorie blieb grau und fad und leer,

denn alles Hoffen ist daran zerbrochen

und unsere Welt kennt kein Vertrauen mehr.



Du hast den Geist der Ehrfurcht vor dem Leben

In diese dunkle finstre Welt gebracht –

Und ihr den ursprünglichen Sinn zurückgegeben,

der ihr am Anfang allen Seins war zugedacht.



Nun legst Du Dein Vermächtnis still in unsre Hände,

Du gingst den Weg voran, der uns der rechte sei,

hast uns gereift für eine geistige Weltenwende,

durch die wir frei von Haß und Krieg und Tyrannei.



Geschrieben im September 1965



Albert Schweitzer
Nachdenken über die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben.

Rudolf Lasch



Der Welt zu einer wahren Kultur zu verhelfen, ist die große geschichtliche Aufgabe, die sich uns stellt. An uns liegt es, das Licht wahrer Humanitätskultur in der Welt aufleuchten zu lassen. Wenn die Menschen, die in Gedanken und im Handeln Humanität mit der Wirklichkeit der Gegenwart vergleichen, könnte man diese von Schweitzer geprägten Worte als sentimentale Idee bezeichnen.

Es sicher notwendig, dass gerade die Humanitätskultur die Menschheit herausfordern muß, durch den denkend gewordenen Willen zum Leben, die Welt-und Lebensbejahung miteinander zu praktizieren.

Man kann die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben nicht relativieren. Als gut lässt sie nur Erhaltung und Förderung vom Leben gelten. Alles Vernichten und Schädigen von Leben, wenn es uns nicht durch das Schicksal auferlegt ist, empfindet sie als böse.

Jeder Mensch, jede Regierung muß in jedem Fall verantwortungsbewusst entscheiden, inwieweit wir ethisch bleiben können, damit wir nicht schuldig werden. Immer mehr müssen wir von der Sehnsucht erfasst werden, Leben zu erhalten und Leben zu fördern.

Wer unter den Einfluß der Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben gerät, wird durch das, was sie von ihm verlangt, alsbald zu spüren bekommen, welches Feuer in diesem Ausdruck glüht. Sie ist die ins Universelle erweiterte Ethik der Liebe.

Durch die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben gibt der Mensch seinem Dasein einen Wert, welches auch die Schicksale seien, durch die es bestimmt wird und in denen er sich zu behaupten hat. Wahre Ethik fängt an, wo der Gebrauch der Worte aufhört.

Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir nicht wagen, uns so herzlich zu geben, wie wir sind.

Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben verlangt, dass wir alle irgendwie und in irgend etwas für Menschen Mensch sind. Denen, die sich im Beruf nicht als Menschen an Menschen ausgeben können und sonst nichts haben, um es dahinzugeben, mutet sie zu, etwas von ihrer Zeit und Muße, auch wenn sie ihnen kärglich zugemessen sind, zu opfern.

Schafft euch ein Nebenamt, sagt sie zu ihnen, ein unscheinbares, vielleicht ein geheimes Nebenamt. Tut die Augen auf und sucht, wo ein Mensch ein bisschen Zeit, ein bisschen Freundlichkeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Arbeit eines Menschen braucht. Wer kann die Verwendungen alle aufzählen, die das kostbare Betriebskapital, Mensch genannt, haben kann? An ihm fehlt es allerorten. Laß dich nicht abschrecken, wenn du warten musst.

Aber laß dir ein Nebenamt, in dem du dich als Mensch für Menschen betätigst nicht entgehen. Du musst nur richtig wollen!

Das einzige, worauf es ankommt, ist, dass wir darum ringen, dass Licht in uns sei. Das Ringen fühlt einer dem anderen an , und wo Licht im Menschen ist, scheint es aus ihm heraus.

Kein Sonnenstrahl geht verloren, aber das Grün, das er weckt, braucht Zeit zum Sprießen. Alles wertvolle Wirken ist Tun auf Glauben.

Auch alle Völker, insbesondere die, die über ein reichhaltiges Waffenarsenal verfügen, sollten es also ablehnen, dass immer wieder von Krieg die Rede ist. Aber so manche von ihnen wollen sich keine Rechenschaft davon geben, dass wir es mit einem geistigen und ethischen Problem zu tun haben.

Jeder Krieg lässt uns der Unmenschlichkeit schuldig werden. Es ist das Gebot der Stunde, dass die öffentliche Meinung der Atomwaffen besitzenden Völker die Verantwortung übernimmt und sich der geistigen Tat, in der Menschlichkeit verbleiben zu wollen, fähig erweist.

Diese aus Albert Schweitzers Buch „Die Lehre der Ehrfurcht vor dem Leben“ frei wiedergegebenen Auszüge sollten die Menschen zum Nachdenken anregen. Sie müssen uns Mahnung sein, uns wieder auf die Werte, die Albert Schweitzer uns vorgelebt hat, zu besinnen – wir brauchen nichts Neues zu erfinden. Diese Werte sind Gewaltlosigkeit, Friedfertigkeit, Nächstenliebe, Zufriedenheit, Hilfsbereitschaft, Toleranz gegenüber anders Denkenden.

Albert Schweitzer war ein „Abenteurer der Menschenliebe“ in einer Zeit, maßloser Menschenverachtung. Es ist deshalb für uns, besonders auch für die Jugend, eine Herausforderung, sich mit den Gedanken und dem Lebensweg dieses Mannes, bei dem Wort und Tat immer übereinstimmten, zu befassen – ja ihm im Verhalten nachzufolgen. Machen wir uns doch die Mühe, besonders in der Bildung der jungen Menschen, das Licht seiner Menschenwürde, als Vorbild wirken zu lassen.

Die ethischen und humanistischen Werte haben in unserer heutigen Gesellschaft nur noch eine sehr geringe Bedeutung. Wir müssen dazu beitragen, dass sie im Zusammenleben der Menschen wieder in den Vordergrund rücken.

Das Gedicht von Rudolf Lasch sollte uns dazu eine Anregung geben. Am 8. 8. 1965 schrieb Albert Schweitzer an Rudolf Lasch: „Weder die Religion noch die Philosophie haben sich bewogen gefühlt, von den Menschen Gütigkeit gegen alle Kreatur zu verlangen. Diese Gütigkeit gegen alle Geschöpfe führt zur wahren Menschlichkeit.“




Wir freuen uns, dass Alfred Ullmann sehr umsichtig Dokumente und Unterlagen durchsieht und zu bestimmten Themen recherchiert. Nur so erhalten wir immer wieder neue und interessante Sichtweisen auf das Thema.



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