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Albert
Schweitzer Nachdenken über die Ethik der Ehrfurcht vor
dem Leben.
Rudolf
Lasch
Der
Welt zu einer wahren Kultur zu verhelfen, ist die große
geschichtliche Aufgabe, die sich uns stellt. An uns liegt es, das
Licht wahrer Humanitätskultur in der Welt aufleuchten zu
lassen. Wenn die Menschen, die in Gedanken und im Handeln
Humanität mit der Wirklichkeit der Gegenwart vergleichen,
könnte man diese von Schweitzer geprägten Worte als
sentimentale Idee bezeichnen.
Es
sicher notwendig, dass gerade die Humanitätskultur die
Menschheit herausfordern muß, durch den denkend gewordenen
Willen zum Leben, die Welt-und Lebensbejahung miteinander zu
praktizieren.
Man
kann die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben nicht relativieren. Als
gut lässt sie nur Erhaltung und Förderung vom Leben
gelten. Alles Vernichten und Schädigen von Leben, wenn es uns
nicht durch das Schicksal auferlegt ist, empfindet sie als böse.
Jeder
Mensch, jede Regierung muß in jedem Fall
verantwortungsbewusst entscheiden, inwieweit wir ethisch bleiben
können, damit wir nicht schuldig werden. Immer mehr müssen
wir von der Sehnsucht erfasst werden, Leben zu erhalten und Leben
zu fördern.
Wer
unter den Einfluß der Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben
gerät, wird durch das, was sie von ihm verlangt, alsbald zu
spüren bekommen, welches Feuer in diesem Ausdruck glüht.
Sie ist die ins Universelle erweiterte Ethik der Liebe.
Durch
die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben gibt der Mensch seinem
Dasein einen Wert, welches auch die Schicksale seien, durch die es
bestimmt wird und in denen er sich zu behaupten hat. Wahre Ethik
fängt an, wo der Gebrauch der Worte aufhört.
Viel
Kälte ist unter den Menschen, weil wir nicht wagen, uns so
herzlich zu geben, wie wir sind.
Die
Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben verlangt, dass wir alle
irgendwie und in irgend etwas für Menschen Mensch sind.
Denen, die sich im Beruf nicht als Menschen an Menschen ausgeben
können und sonst nichts haben, um es dahinzugeben, mutet sie
zu, etwas von ihrer Zeit und Muße, auch wenn sie ihnen
kärglich zugemessen sind, zu opfern.
Schafft
euch ein Nebenamt, sagt sie zu ihnen, ein unscheinbares,
vielleicht ein geheimes Nebenamt. Tut die Augen auf und sucht, wo
ein Mensch ein bisschen Zeit, ein bisschen Freundlichkeit, ein
bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Arbeit
eines Menschen braucht. Wer kann die Verwendungen alle aufzählen,
die das kostbare Betriebskapital, Mensch genannt, haben kann? An
ihm fehlt es allerorten. Laß dich nicht abschrecken, wenn du
warten musst.
Aber
laß dir ein Nebenamt, in dem du dich als Mensch für
Menschen betätigst nicht entgehen. Du musst nur richtig
wollen!
Das
einzige, worauf es ankommt, ist, dass wir darum ringen, dass Licht
in uns sei. Das Ringen fühlt einer dem anderen an , und wo
Licht im Menschen ist, scheint es aus ihm heraus.
Kein
Sonnenstrahl geht verloren, aber das Grün, das er weckt,
braucht Zeit zum Sprießen. Alles wertvolle Wirken ist Tun
auf Glauben.
Auch
alle Völker, insbesondere die, die über ein
reichhaltiges Waffenarsenal verfügen, sollten es also
ablehnen, dass immer wieder von Krieg die Rede ist. Aber so manche
von ihnen wollen sich keine Rechenschaft davon geben, dass wir es
mit einem geistigen und ethischen Problem zu tun haben.
Jeder
Krieg lässt uns der Unmenschlichkeit schuldig werden. Es ist
das Gebot der Stunde, dass die öffentliche Meinung der
Atomwaffen besitzenden Völker die Verantwortung übernimmt
und sich der geistigen Tat, in der Menschlichkeit verbleiben zu
wollen, fähig erweist.
Diese
aus Albert Schweitzers Buch „Die Lehre der Ehrfurcht vor dem
Leben“ frei wiedergegebenen Auszüge sollten die
Menschen zum Nachdenken anregen. Sie müssen uns Mahnung sein,
uns wieder auf die Werte, die Albert Schweitzer uns vorgelebt hat,
zu besinnen – wir brauchen nichts Neues zu erfinden. Diese
Werte sind Gewaltlosigkeit, Friedfertigkeit, Nächstenliebe,
Zufriedenheit, Hilfsbereitschaft, Toleranz gegenüber anders
Denkenden.
Albert
Schweitzer war ein „Abenteurer der Menschenliebe“ in
einer Zeit, maßloser Menschenverachtung. Es ist deshalb für
uns, besonders auch für die Jugend, eine Herausforderung,
sich mit den Gedanken und dem Lebensweg dieses Mannes, bei dem
Wort und Tat immer übereinstimmten, zu befassen – ja
ihm im Verhalten nachzufolgen. Machen wir uns doch die Mühe,
besonders in der Bildung der jungen Menschen, das Licht seiner
Menschenwürde, als Vorbild wirken zu lassen.
Die
ethischen und humanistischen Werte haben in unserer heutigen
Gesellschaft nur noch eine sehr geringe Bedeutung. Wir müssen
dazu beitragen, dass sie im Zusammenleben der Menschen wieder in
den Vordergrund rücken.
Das
Gedicht von Rudolf Lasch sollte uns dazu eine Anregung geben. Am
8. 8. 1965 schrieb Albert Schweitzer an Rudolf Lasch: „Weder
die Religion noch die Philosophie haben sich bewogen gefühlt,
von den Menschen Gütigkeit gegen alle Kreatur zu verlangen.
Diese Gütigkeit gegen alle Geschöpfe führt zur
wahren Menschlichkeit.“
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