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„Es gibt in dieser Welt keine Wahl mehr zwischen Gewalt und Gewaltlosigkeit. Entweder Gewaltlosigkeit oder Nichtexistenz.“
Martin Luther King
Prof. Dr. Hartmut Kegler
„Ich habe einen Traum“ Erinnerung an Martin Luther King Zur Pflege und Verbreitung des geistigen Erbes Albert Schweitzers gehören auch die Vermächtnisse derer, die im Geist der Ehrfurcht vor dem Leben wirkten. Zu ihnen zählt auf jeden Fall auch der wahre Christ und Bürgerrechtler Martin Luther King. Martin Luther King wurde am 15. Januar 1929 als zweites Kind der Eheleute Martin Luther King sen. und Alberta King, geb. Williams, in Atlanta, Georgia, geboren. Er studierte Theologie in Chester und promovierte an der Universität in Boston. Während des Studiums und danach beschäftigte er sich besonders eingehend mit Aristoteles und Mahatma Gandhi. Im Jahr 1953 heiratete er Coretta Scott. Er führte eine glückliche Ehe und hatte mit Coretta King drei Kinder. Im Jahr 1954 trat er seine erste Pfarrstelle in Montgomery, Alabama, an. Im Januar 1956 wurde das erste Bombenattentat auf ihn verübt, dem zahlreiche weitere Anschläge folgten. Im Herbst 1960 wurde King zum ersten Mal verhaftet, aber durch das persönliche Eingreifen von John F. Kennedy wieder freigelassen. Weitere Verhaftungen mit Gefängnisaufenthalten in Isolierzellen fanden danach statt. Am 28. August 1963 erfolgte der weltweit beachtete Marsch auf Washington, wo King seine berühmte Rede „Ich habe einen Traum“ hielt. Im selben Jahr wurde der amerikanische Präsident Kennedy ermordet. Im folgenden Jahr wurden auch die Kampfgefährten Kings Chany und Goodman erschossen. 1964 erhielt Martin Luther King den Friedensnobelpreis. Während des Vietnamkrieges hielt King anklagende Reden gegen diesen Krieg und nahm 1967 an einem Friedensmarsch in New York teil. Am 4. April 1968 wurde Martin Luther King auf dem Balkon eines Motels erschossen. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde der Geburtstag von Martin Luther King durch Gesetz zum Nationalen Feiertag erklärt und seit 1986 offiziell begangen.
Stimmen über Martin Luther King
„Das gibt es doch nicht, das darf doch nicht wahr sein. Ist das unsere Welt, die Welt, in der bewundernswerte junge Männer kaltblütig niedergeschossen werden, nur weil sie dafür eintreten, dass jeder die gleiche Chance haben soll?“
„Ein Beispiel für die Tugend der Gerechtigkeit und internationalen Liebe.“
„Ein Mensch, der unablässig und gewaltlos für die Sache des Friedens, der internationalen Verständigung und der Menschenrechte wirkte.“
Zum Vermächtnis von Martin Luther King
1. „Der gewaltlose Widerstand ist keine Methode für Feiglinge.“ Die Methode ist körperlich passiv, aber geistig stark aktiv. 2. „Wer gewaltlosen Widerstand leistet, muss oft durch Boykotte oder dadurch, dass er seine Mitarbeit versagt, protestieren.“ Es geht nicht um Verhöhnung, Bloßstellung oder Demütigung des politischen Gegners, sondern um Versöhnung. Gewalt kennt nur Unterwerfung und Vernichtung des Gegners. 3. „Es gehrt nicht darum, den Bösen, sondern das Böse zu bekämpfen.“ Das ist möglich, wenn die Macht der Liebe und die Ohnmacht des Hasses sichtbar werden. Mahatma Gandhi rief seinen Landsleuten zu: „Vielleicht müssen Ströme von Blut fließen, ehe wir unsere Freiheit gewinnen, aber es muss unser Blut sein.“ 4. „Man darf nie mit gleicher Münze zurückzahlen.“ Auch um den Preis des höchsten Opfers darf man böse Taten nicht mit bösen Taten vergelten, sondern muss die Kette der bösen Taten zerreißen. 5. „Der gewaltlose Mensch lehnt es ab, seinen Gegner zu hassen.“ Im Mittelpunkt der Lehre vom gewaltlosen Widerstand steht das Gebot der Liebe. Das bedeutet Achtung gegenüber dem anderen Menschen, um dessen Spannungen, Unsicherheiten und Ängste zu beseitigen. 6. „Die Mittel müssen so rein sein wie sein Ziel.“ Wir werden niemals Frieden in der Welt haben, bevor die Menschen überall erkennen, dass Mittel und Zweck nicht voneinander zutrennen sind; denn die Mittel verkörpern das Ideal im Werden, das Ziel im Entstehen. Man kann gute Ziele nicht mit bösen Mitteln erreichen. Wir müssen friedliche Ziele mit friedlichen Mitteln verfolgen. 7. „Der gewaltlose Widerstand stellt eine Alternative dar zu dem immer wieder beschrittenen Weg von Krieg und Zerstörung, Hass, Vorurteil und Vergeltung, Barbarei und Brutalität, Menschenverachtung und blankem Zynismus.“ Das ist das große neue Problem der Menschheit. Wir haben ein großes Haus gebaut, in dem wir zusammen leben müssen – Schwarze und Weiße, Morgenländer und Abendländer, Juden und Nichtjuden, Katholiken und Protestanten, Moslems und Hindus – eine Familie, die irgendwie lernen muss, im Frieden miteinander auszukommen. Wir haben heute noch die Wahl: Gewaltlose Koexistenz oder gewaltsame Vernichtung aller. Dies kann die letzte Chance sein, zwischen Chaos und der Gemeinschaft zu wählen.
„Ich glaube, dass unbewaffnete und bedingungslose Liebe das letzte Wort in der Wirklichkeit haben werden.“
„In dieser Zeit, wo Gewalttätigkeit, in Lüge gekleidet, so unheimlich wie noch nie auf dem Thron der Welt sitzt, bleibe ich dennoch überzeugt, das Wahrheit, Liebe, Friedfertigkeit, Sanftmut und Gütigkeit die Gewalt sind, die über aller Gewalt ist.
„Ich habe einen Traum“
Eine Erinnerung an
Martin Luther King -1- „Ich habe einen Traum“ Erinnerungen an Martin Luther King
Vortragstext von Hartmut Kegler
Vorbemerkung Zur Pflege und Verbreitung des geistigen Erbes Albert Schweitzers gehören auch die Vermächtnisse derer, die im Geist der Ehrfurcht vor dem Leben wirkten.
Zu ihnen gehört der wahrhaftige Christ und Bürgerrechtler Martin Luther King
Im Zeitabschnitt 2008/2009 liegen für ihn zwei Gedenktage:
Wie Albert Schweitzer spielt Martin Luther King in der Öffentlichkeit dank einer oberflächlichen Unterhaltungsindustrie, aber auch weil er ein unbequemer Mahner ist, leider nur eine untergeordnete Rolle.
Unsere Veranstaltung sowie das ausgelegte Heftchen sollen ein wenig dem Vergessen dieser großartigen Persönlichkeit entgegen wirken. Auch er könnte vielen sowohl als Christenmensch, wie auch als Bürgerrechtler und als Friedenskämpfer ein Vorbild sein.
-2- Berühmt ist seine vor über zweihundertfünfzigtausend Menschen im Jahr 1963 in Washington gehaltene Rede mit dem Ausruf: „Ich habe einen Traum“. Er mündet in das Bekenntnis: „Wir halten die Wahrheit für selbstverständlich, dass alle Menschen gleich geschaffen sind!“
Wirken und Geist von Martin Luther King
Nach dieser mitreißenden Rede erklärte ihn der FBI-Direktor Hoover zum gefährlichsten und wirkungsvollsten schwarzen Führer des Landes, der unter kommunistischem Einfluss stehe.
Gleichen Verdächtigungen waren einst auch Thomas Mann, Albert Einstein, Albert Schweitzer, Berthold Brecht und viele andere ausgesetzt.
- King wurde geheimdienstlich überwacht: Seine Wohnung, Hotelzimmer und Büros wurden abgehört. - Aggressive Journalisten hetzten die Menschen gegen ihn auf. - Bezahlte Afroamerikaner provozierten bei Veranstaltungen mit King die Polizei durch Gewaltanwendung (Steine wurden gegen Polizisten geworfen), um Kings Prinzip der Gewaltlosigkeit unglaubwürdig zu machen. - Der Papst wurde beeinflusst, den Pfarrer King nicht zu empfangen. - Regierungen wurden dazu gedrängt, den Friedensnobelpreisträger nicht einzuladen. - Universitäten wurde untersagt, King Ehrendoktorwürden zu verleihen. -3- Weiße geistliche Würdenträger wie Bischöfe bezichtigten ihren schwarzen Bruder des Extremismus. King entgegnete ihnen: „War nicht Jesus ein Extremist der Liebe?“ „War nicht Luther ein Extremist mit seinem ‚Hier stehe ich, ich kann nicht anders’?“ „War nicht Abraham Lincoln ein Extremist mit seinem Einsatz gegen die Versklavung der Schwarzen?“
Wichtig sei nicht, ob man ein Extremist sei, sondern welcher Art von Extremist man sei. Ob man ein Extremist des Hasses oder der Liebe sei.
Sehr kritisch verhielt sich der Baptistenpfarrer Martin Luther King auch gegenüber den christlichen Kirchen: Das Christentum sei in die Geschichte eingetreten mit revolutionärem Elan. Das ginge aus der Bergpredigt Jesu hervor. Es verlor jedoch diesen Elan fast vollständig und wurde anfällig für reaktionäres Verhalten: „Die westliche Welt, gewöhnt an den Anblick hochgestellter Vertreter der christlichen Kirchen an der Seite der Hochfinanz und Generalität hat ihre Praxis zum Gegenteil der Predigt gemacht“, sagte er. Die Kirche müsse wieder in die Arena der sozialen Taten treten. Sie müsse sich gegen jede Ungerechtigkeit wenden. Oft hat er in grenzenloser Enttäuschung über das Verhalten der Kirchen geweint.
Martin Luther King wurde wiederholt verhaftet, dabei in Isolierhaft gebracht und hatte nicht einmal Gelegenheit, seinen Rechtsanwalt zu sprechen.
-4- Nur John F. Kennedy setzte sich für ihn ein und erreichte seine Freilassung. Er trat auch als Präsident für die Verbesserung der Bürgerrechte ein und veranlasste eine neue Bürgerrechtsgesetzgebung.
Viele Attentate wurden auf Martin Luther King verübt. Sprengkörper wurden in sein Haus geworfen. Zwischen 1957 und 1962 wurden 17 Bombenanschläge auf Häuser und Kirchen der Schwarzen verübt. In keinem Falle wurde ein Schuldiger gefunden.
Auf dem Balkon eines Motels in Memphis wurde Martin Luther King schließlich durch einen gezielten Schuss getötet. Als sein Mörder wurde in der Öffentlichkeit ein Einzeltäter verantwortlich gemacht. Doch spätere Ermittlungen eines Geschworenengerichts ergaben Hinweise, dass „Regierungsorganisationen“ mit im Spiele waren … King hat offensichtlich seinen Tod geahnt. In einer Predigt vor seiner Baptistengemeinde in Atlanta sagte er: „Wenn mein Tag kommt, möchte ich, dass jemand sagt: ‚Martin Luther King versuchte mit seinem Leben anderen zu dienen.’ Ich werde kein Geld hinterlassen. Ich werde keine vornehmen und luxuriösen Dinge hinterlassen. Ich möchte nur ein hingebungsvolles Leben hinterlassen.“
Kings treuer Freund Harry Belafonte sagte anlässlich dessen Todes : „Einer Nation, die im bittersten Rassismus erstarrte, weckte ein Schwarzer das schlummernde Gewissen; einer Nation, krank von Gewalt, predigte ein Schwarzer Gewaltlosigkeit; einer Nation, die Entfremdung zersetzte, predigte ein Schwarzer Liebe; einer Welt die während zwanzig
-5- Jahren in drei Kriege verstrickt war, predigte ein Schwarzer Frieden.“
Martin Luther King führte ein glückliches Familienleben. Mit seiner Frau Coretta hatte er drei Kinder. Coretta war auch seine mutige und treue Kampfgefährtin, die das Werk ihres Mannes nach dessen Tod fortführte.
Martin Luther King war ein hoch gebildeter Mensch: - Er studierte Theologie in Chester - Er promovierte an der Universität Boston - Eingehende Studien widmete er den Werken von Aristoteles und Mahatma Gandhi.
Er las auch Werke von Karl Marx, fand aber keinen Zugang zum Kommunismus. Ihn stieß ab, dass es bei Marx keinen Platz für Gott gab. Er verwarf auch dessen Unbedenklichkeit, zur Erreichung seiner Ziele jedes Mittel einzusetzen. Im Kommunismus sei der einzelne Mensch dem Staat ausgeliefert.
Ganz anders stand er zu Gandhis Lehre:
Sein Fazit lautete: „Von Christus stammt der Geist, Gandhi zeigte, wie er sich in der Welt realisieren lässt.“
Besonders ergriffen war King von Gandhis „satyagraha“: Die Macht die aus der Wahrheit kommt und in Liebe angewendet wird. -6- In Gandhis Lehre von der Liebe und der Gewaltlosigkeit entdeckte King die Methode für eine Sozialreform, die für ein unterdrücktes Volk in seinem Kampf um die Freiheit die einzige moralisch und praktisch vertretbare Methode sei.
Zur Gewaltlosigkeit wies King in seinen Reden darauf hin, dass
Die Schlussfolgerung lautete für Martin Luther King: „Es gibt in dieser Welt keine Wahl mehr zwischen Gewalt und Gewaltlosigkeit. Entweder Gewaltlosigkeit oder Nichtexistenz.“
King ermahnte aber auch immer wieder seine schwarzen Brüder zur Gewaltlosigkeit:
-7- Für Martin Luther King bestand ein enger Zusammenhang zwischen Bürgerrechts- und Friedensbewegung:
Seine Frau Coretta fand unter den Notizen, die sich ihr Mann für seine Reden aufgeschrieben hatte, unter anderem einen Zettel mit zehn Geboten über den Vietnamkrieg. Sie sind noch heute aktuell, wenn man nur für Vietnam Afghanistan oder Irak einsetzt. Da heißt es unter anderem: „Du sollst nicht an den militärischen Sieg glauben; du sollst nicht glauben dass die Generäle am besten wissen, was zu tun ist; du sollst nicht töten!“
Für sein mutiges Eintreten für Bürgerrechte und Frieden erhielt Martin Luther King als bis dahin Jüngster mit 35 Jahren 1964 den Friedensnobelpreis.
In seiner Begründung bezeichnete der Vorsitzende des Nobelpreiskomitees King als den ersten Menschen, „der uns zeigte, dass ein Kampf auch ohne Gewalt geführt werden kann. Er war der Erste, der in seinem Kampf die Botschaft von der brüderlichen Liebe Wirklichkeit werden ließ. Und er hat diese Botschaft allen Nationen, allen Menschen und allen Rassen gebracht.“ -8- In seiner Antwort bekundete King: „Ich besitze die Kühnheit zu glauben, dass Völker allerorten täglich drei Mahlzeiten für ihren Körper, Erziehung und Kultur für ihren Verstand und Würde, Gleichheit und Freiheit für ihren Geist haben können.“
Der russische Dichter Jewgeni Jewtuschenko schrieb nach dem Tode Kings ein Gedicht, das mit den Worten endet: „Ihn tötete die Kugel, doch mich gebar sie neu, gebar mich als einen Neger.“
Martin Luther King hinterließ der Menschheit ein bedeutungsvolles Vermächtnis, das in das Bekenntnis mündet: „Ich glaube, dass der unbewaffnete Kampf und die bedingungslose Liebe das letzte Wort in der Wirklichkeit haben werden.“
Damit schließt sich der Bogen zu Albert Schweitzer, der bekannte: In dieser Zeit, wo Gewalttätigkeit in Lüge verkleidet, so unheimlich wie noch nie auf dem Throne der Welt sitzt, bleibe ich davon überzeugt, dass Wahrheit, Liebe, Friedfertigkeit, Sanftmut und Gütigkeit die Gewalt sind, die über aller Gewalt ist. Ihnen wird die Welt gehören, wenn nur genug Menschen … diese Gedanken denken und leben.“
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