
Unter diesem Thema beteiligen wir uns an dem Europrojekt "Sokrates"
Im Herbst 1996 veranstaltete das Ministerium eine Werbeveranstaltung für das SOKRATES-Projekt. Förderschulen hatten hierbei eine besondere Chance. Schon auf dieser Veranstaltung entstand die Projektidee."Was meine Hände schaffen"
Europa kann sich nur näher kommen, wenn sich die Menschen näher kommen. Dieser Austausch der Gedanken auf der Ebene der Schularbeit ist ein Beitrag dazu. Wir wollen in Erfahrung bringen, welche Unterrichtsmethoden eingesetzt werden. Wir suchen Ideen für die Gestaltung der Arbeit mit Förderschülern. Wir tauschen uns aus, wie die Gesamtpersönlichkeit gefördert wird .Das motiviert Pädagogen und Schüler gleichermaßen.
In den Förderschulen kommt es darauf an, das Lernen in der Einheit von Kopf, Herz und Hand zu organisieren, um so die gesamte Persönlichkeit zu entwickeln und zu fördern. Die Schüler müssen aktiv sein und ihre Hände benutzen. Über das "Begreifen" lernen sie die Welt besser verstehen. In dieser Projektidee stecken nun viele Möglichkeiten, die Erfahrungen der verschiedenen Länder auszutauschen.
Lernen mit Kopf, Herz und Hand
Die im menschlichen Wesen angelegte Ganzheit, die sich im Zusammenwirken von Kopf, Herz und Hand erfüllt, muß Grundlage der Pädagogik sein. Es besteht ein genetischer Zusammenhang zwischen Hirn und Hand. In vernetzten Prozessen des Einfaltens und Ausstülpens entwickeln sich beim menschlichen Embryo Hände und Gehirn. Von Immanuel Kant stammt der Satz: << Die Hand ist das äussere Gehirn des Menschen. >> Erst in der direkten sinnenhaften Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit bildet sich der Mensch und entwickelt er die Eigenschaften, die heute von ihm verlangt werden. Der Mensch ist ein Werdender. Er benötigt ein geeignetes Umfeld, um sich in Auseinandersetzung mit äusserer und innerer Natur zu entfalten. Dieses Umfeld ist neu zu definierenund dann zu gestalten. Schule soll Lebens-und Erfahrungsraum sein Schule als Lebens- und Erfahrungsraum fordert Gemeinschaften, in welchen Erwachsene und Jugendliche gemeinsam Probleme angehen. Ein Lebensraum, in welchem gebaut wird, Gärten angelegt und gepflegt werden, ökologische Biotope geschaffen, Lebensmittel erzeugt und verarbeitet werden, aktiviert das Potential der Jugend. Die jungen Menschen fühlen sich ernst genommen, entwickeln ihre Fähigkeiten und gewinnen das Selbstvertrauen, das sie befähigt, am Aufbau der Gesellschaft mitzuwirken.
Was meine Hände schaffen -
ein Sokratesprojekt der Allgemeinen Förderschule "Albert-Schweitzer" Guben
Ein erster BerichtDie Idee zur Teilnahme am Sokrates-Projekt brachte unser Schulleiter in die Lehrerkonferenz.
Anfangs konnten sich nur wenige Kollegen überhaupt etwas darunter vorstellen. Viele hatten Angst vor viel Mehrarbeit und, warum Verbindungen zu anderen Ländern, haben wir nicht genug "hier zu Hause" zu tun?
Inzwischen ist das Projekt mit viel Leben erfüllt und alle Kollegen sind mehr oder weniger einbezogen. Keiner "beklagt" mehr die "Mehrarbeit", denn wir merken, wie sehr wir vom Projekt Sokrates profitieren.
Was ist seit der Geburt der Idee an unserer Schule gelaufen? Im März 1997 kam der Direktor einer englischen Förderschule zu einem vorbereitenden Besuch zu uns. Das war der erste persönliche Kontakt zu den englischen Partnern. Zwei Kollegen besuchten im Mai die Partnerschule in England. In Schweden nahmen wir Kontakt zu einer Förderschule in Lund auf, die unser Schulleiter schon von einem früheren Studienaufenthalt kannte.Im September 1997 fuhren diesmal zwei Kolleginnen nach Lund in die Fagelskolan zum vorbereitenden Besuch. Bei diesem Treffen war auch der Direktor der Rowhillschool in Dartford dabei.
So saßen alle drei Nationen an einem Tisch und planten die Antragstellung und die Vorhaben für das erste Projektjahr. Die Fagelskolan erklärte sich bereit,die Koordination zu übernehmen.
Im März 1998 wurde unser Antrag bewilligt und die Arbeit begann offiziell.
Wir hatten natürlich bis dahin schon viele Ideen, oft Kontakt zu den Partnern gesucht per Fax, Telefon und Brief, im Kollegium fanden vielfältige Gespräche statt.
Wir hatten uns als Motto für das Projekt "Was meine Hände schaffen" gewählt. Schon jetzt war klar, hier konnten wir so viele Dinge einfließen lassen aus unserer täglichen Arbeit, denn unsere Schüler lernen immer nur mit Kopf, Herz und Hand. Wir bereiteten, jeder Partner in seiner Schule, eine Ausstellung mit Produkten der Schüler aus dem Unterricht und außerschulischen Projekten vor.
Kollegen erarbeiteten methodischen Reihen und Hinweise. Arbeiten, die schlecht im Original verschickt werden können wurden per Foto oder Video dokumentiert. Diese "Wanderausstellung" zeigte jeder zuerst seinen Schülern,
Eltern und Gästen. Danach ging die Ausstellung auf Reisen. Jeweils 4 Wochen blieb sie im Partnerland und wurde dann wieder weitergesandt, im Ringtausch.So sahen unsere Schüler 1998 zuerst ihre eigene, dann eine schwedische und danach eine englische Exposition.Bei den Partnern lief es ebenso. Verständigungsprobleme gab es keine, denn wenn man sehen, hören, anfassen kann, braucht man kaum Worte. Und wir Lehrer erhielten viel Anregung, konnten "abkucken beim Nachbarn", wurden zum Sprachstudium angeregt. Viel Nutzen, mit nicht all zu großem Aufwand.
Ganz toll - im Rahmen des Projekts gingen wir auch ans Internet. Unsere Adresse: http://home.t-online.de/home/Albert-Schweitzer-Schule-Guben/start.htm
Albert-Schweitzer-Schule-Guben@t-online.de
Die Verbindung zu den Partnern wurde noch schneller und problemloser, und die wunderbaren Möglichkeiten für unsere Arbeit mit den Schülern.
Im März 1998 trafen sich die Vertreter der Partnerschulen zum Studienbesuch in England. Die Kolleginnen brachten viele neue Eindrücke,Ideen und eine Menge ansteckenden Elan mit.
Im Mai 1998 dann kamen liebe Gäste zu uns, denn inzwischen kennt und achtet man sich. Zwei Lehrer aus England und fünf aus Schweden trafen gleichzeitig zum Studienbesuch ein. Sie konnten sich persönlich überzeugen, wie die Ausstellung "Was meine Hände schaffen" in unsere Arbeit einfließt, wie wir durch Präsentation von Fotos und Objekten der Partner unsere Schüler mit dem anderen europäischen Land vertraut machen.
Es gab einen regen Austausch über die Arbeit, auch wenn manchmal Hände und Füße sprechen mußten, man merkte, es saßen eben Kollegen am Tisch,auch wir lernen voneinander mit Herz, Kopf und Hand.
Ganz besonders freuen wir uns schon auf die Herbstferien 1998. Dann werden 10 Kinder und 2 Lehrer aus Guben zur Partnerschule nach Lund reisen. Gemeinsam werden sie lernen, arbeiten und sich erholen. Unsere wichtigsten Erfahrungen aus dem ersten Jahr:
- Gut, daß es das Projekt Sokrates gibt! Es ist keine Mehrarbeit, es macht Spaß, bereichert, gibt unendlich viele Impulse, hat auch unser Kollegium enger zusammengebracht. Es wird viel mehr fachübergreifend und in Projekten gearbeitet. Ideen werden "nach draußen" getragen. Es ist sehr günstig, Studienbesuche so zu planen, daß Vertreter aller Partner zur gleichen Zeit an einem Ort zusammentreffen. Absprachen sind so viel effektiver möglich, die Zusammenarbeit wird wesentlich erleichtert .Wir nennen es "Planungstreffen". Ganz wichtig, alle Absprachen mit ganz konkreten verbindlichen Terminen,die jeder Partner erhält, sonst klappt es nicht. z.B. bei uns - jeden ersten Montag im Monat erfolgt ein Fax -oder Internetbericht an die koordinierende Schule über den Stand der Arbeit am Projekt, Neuigkeiten, Fragen u.ä.- feste Termine, wann Ausstellungsobjekte o.ä. an einen Partner abzusenden sind.
Fazit für unsere Schule - gut, daß wir diese Sache angegangen sind, wir sind auch im nächsten Jahr dabei und vielleicht, wenn wie geplant noch eine irische Schule dazu kommt, ein drittes Jahr. Auch danach wird die Verbindung zu den Partnern nicht abreißen - wirklich ein Schritt nach Europa. Danke!
R. Müller